Alle Bilder gibt es auf Flickr.

In Transit, Doha International Airport

Umsteigen in Doha, Qatar. Wir sind auf dem Rückweg aus Kuala Lumpur. Hinter uns liegen Tage und vor allem Nächte voller Tanz, Freude, Aufregung und Begegnungen. Der Kopf schwirrt, der Körper gähnt. Es war einer der wenigen Flüge, auf dem ich wie ein Stein geschlafen habe, statt den Akku meines Kindles leer zu lesen.

Boarding für unseren Anschluss nach Frankfurt beginnt und wir erfahren, der Flieger ist voll. Kein Platz mehr für uns, beim nächsten vielleicht. Damit gerechnet haben wir nicht. In KL wurden wir noch durchgebucht, doch die Wahrscheinlichkeit war vorhanden, immerhin fliegen wir auf Standby.

Transit II

Der nächste Flieger geht um ein Uhr nachts. Zeit tot schlagen am Flughafen oder Eintrittskarte lösen und Qatar besuchen?

Between flights, Doha International Airport

Eine Stunde später steigen wir am pseudohistorischen Souq Waqif aus dem Taxi und in die Hitze.

Der Souq ist der zentrale, traditionelle Markt in Doha. Eigentlich schon mindestens hundert Jahre alt, fühlt sich der Ort an wie eine komplett synthetische Filmkulisse. Grund dürften die umfassenden Renovierungs­maßnahmen und die gründliche Modernisierung sein.

Im Gegensatz zu allen wirklich traditionellen, alten Orten fehlt hier völlig die Improvisation. Keine Stromkabel quer über den Himmel gespannt, keine dreckigen Ecken, keine irgendwie zusammen gedengelten Umbauten, kein Chaos. Statt dessen alles sauber aufgeräumt, die Schubkarren der Träger ordentlich in Reih und Glied.

Souq Waqif, Doha, Qatar

Doha fühlt sich künstlich, synthetisch, zu ordentlich, wie ein Kulisse zum imensen Ölreichtum an.

Oberstes Gesetz ist die Scharia, es gibt kein Parlament, keine unabhängige Justiz, ungeklärte Finanzströme zum IS, aber Coca Cola, Nike und Fast Food. Mir kommt die Stadt vor wie eine halbtransparente Geisterstadt, wabernd über dem Wüsteboden schwebend. Wäre hier kein Öl unter dem Wüstensand, wie würde es hier aus sehen? Wie ticken die Kataris?

Fragen, deren Antwort wir, in unserer beschränkten Zeit hier, nicht auf den Grund gehen können. Es bleibt bei oberflächlichen Eindrücken, einem Schnappschuss.

Mounted Police

Das Museum of Islamic Art ist der Ort in Doha, der sich richtig echt, authentisch anfühlt.

Museum Of Islamic Art I, Doha

Nicht das er keine Kulisse wäre. Es ist genau das. Eine Kulisse, ein Hintergrund ein Raum für Exponate. Ich verstehe nichts von Architektur, doch das Gebäude allein wirkt auf mich schon faszinierend, eindrucksvoll und unmittelbar anders.

Café, Museum of Islamic Art, Doha

Man tritt nicht nur aus der heissen Sonne in einen angenehm klimatisierten Innenraum, nicht unähnlich einer Kathedrale. Man tritt auch ein in eine Sammlung, eine Kultur die ihren eigenen, genuinen Wirkungskreis, ihre eigene Geschichte und ihre eigene Authentizität hat.

War Mask, Museum of Islamic Art

Das Museum ist weitläuftig, luftig und alleine schon als Ort einen Besuch wert. Doch auch die Artefakte und ihre Präsentation geben Zeugnis von Kulturen, die mir fremd waren, in denen ich aber auch viel vertrautes erkannt habe.

Nächste Station ist ein Einkaufszentrum.

Wie hier Scharia und Shopping zusammen passen, wäre wahrscheinlich Projekt für ein ganzes Doktorandenleben.

Vielleicht ist der Widerspruch auch einfach nur ein aus Vorurteilen konstruierter Gegensatz? Vielleicht handelt es sich nicht um einen Antagonismus, sondern eine Dichotonie, zwei sich ergänzende Teile. Hätte der Prophet auch bei Carrefour gekauft? Seine Augen auch mit goldenen Ray Bans gegen die Sonne geschützt?

Iceskating, Doha

Zumindest hätte er bei der Gelegenheit in Doha auch Eis laufen können.

Natürlich ist eine Eisbahn in der Wüste skuril, irgendwie befremdlich.

Warum eine Eisbahn in der Wüste? Weil wir es können. Genau in diesem Sinne wirkt sie aber auch stimmig. Wiso ein Skyline? Wiso ein riesiges Museum? Wiso Hochhäuser, umfassende Renovierungen, hunderte Klimaanlagen unter freiem Himmel die eiskalte Luft in den Wüstenhimmel schicken?

Weil wir es können.

So ist Qatar, wie mir scheint.

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