Auf den meisten Reisen lege ich Wert darauf, mindestens ein Mal die Hauptstadt des jeweiligen Landes besucht zu haben. Hauptstädte sind meist nicht besonders schön, ich erinnere mich an die offene Kanalisation in Yangoon, fette Ratten in KL oder die allgegenwärtige Prostitution in Phnom Penh.

Hauptstädte - damit meine ich nicht zwingend den Sitz der Regierung - sind aber meistens die Verdichtung der Landeskultur. Häufig bekommt man hier einen geballten Eindruck der Landeskultur. Manchmal bekommt man ihn - wie einen nassen, eiskalten Waschlappen - direkt ins Gesicht gepfeffert.

Nachdem wir bis jetzt immer in ziemlich einfachen Unterkünften genächtigt haben - inklusive dicken Moskitoklatschern an den Wänden, nackten Betonböden, dem einen oder anderen dicken Kakerlak im Bad, knarrenden Betten und hauchdünnen Matratzen, gönnen wir uns dieses Mal eine nette, wirklich sehr nette Butze für gigantische 35 USD die Nacht.

Die Bude ist wirklich nett, kommt sogar mit Aircon daher und hat einen Fernseher. Wahnsinn. Frühstück bekommen wir auf dem Balkon unseres Bungalows serviert, garniert mit einem Haufen frischer Tropenfrüchte. Sogar die hauseigene Katze kommt morgens zum Schnorren zur Begrüßung vorbei.

Untergekommen sind wir in Mount Lavinia, einem südlichen Anhängsel des sich gefühlt ewig am Meer dahin ziehenden Moloch Colombo. Die Hauptstadt selbst ist wegen staatlich verpflichtender Mindestpreise für das Hotelgewerbe wahrscheinlich verbotener Traum der FDP, aber eben auch ziemlich teuer, was Übernachtungen betrifft.

Die Briten haben die südliche Bahnlinie hier direkt auf den Strand gebaut. Das war vermutlich einfacher als die dahinter liegenden Sümpfe trocken zu legen. Heute führt es zu dem etwas seltsamen Umstand, dass teils zwischen Strandrestaurant und Toiletten ein unbeschrankter Bahnübergang zu überqueren ist.

Sitzt man irgendwo für ein gemütlichen Feierabendananassaft, fängt mehrmals in der Stunde plötzlich der Boden an zu vibrieren, es pfeift laut und ein knackvoller Pendlerzug rattert vorbei. Es verleiht dem Vorort einen gewissen rustikalen Charme.

Downtown Colombo ist ein ganz anderes Pflaster. Die Stadt gibt sich alle Mühe ein echte Metropole zu werden. Zumindest die verstopften Straßen, lassen daran auch kaum Zweifel aufkommen. Hier zwängen sich Laster durch enge Einbahnstraßen, Threewheler versuchen durch jede noch so enge Lücke zu glibschen, dazwischen Fußgänger. Der Bürgersteig ist hier noch weitgehend unbekannt.

Das interessanteste Viertel scheint uns The Pettah. Das ehemaligen Eingeborenenviertel der alten Kolonialstadt ist heute Dreh und Angelpunkt für Kauf, Verkauf, Handel von allem möglichen. Die Straßen sind voll von Gewürzen, Fischen, Fleisch, Spielzeug, Girlanden, unidentifizierten Fässern, Obst, Lastern, noch mehr Menschen.

Es ist laut, riecht streng, ständig brüllt einem jemand ins Ohr, ziemlich fantastisch. So hatten wir uns das vorgestellt!

Die Leute um uns herum sind - wie auch bisher fast überall - freundlich, neugierig und zu Späßen aufgelegt. Zum ersten Mal haben wir in Colombo allerdings auch das Gefühl auf der Hut sein zu müssen. Taxifahrer verlangen utopische Mondpreise, plötzlich hat man einen unverlangten Fremdenführer, der schon mal in Deutschland war, tolle Tips auf Lager hat und einem ein super Laden empfehlen kann. Während Sri Lanka bisher zu uns fast schon lieblich war, hat Colombo spürbar scharfe Kanten.

Lieblich wird’s allerdings noch mal in Galle Face Green. Der Grasstreifen, südlich des Zentrums und direkt am Meer gelegen hat eigentlich nicht viel zu bieten. Es ist allerdings DER Grasstreifen in Colombo.

Am südlichen Ende ein Hotel im Kolonialstil, gut für einen Sundowner zu gehobenen Preisen, spielt sich auf dem eigentlichen Feld viel Leben ab. Hierher kommen Pärchen um hinter runtergezogenen Sonnenschirmen zu turteln, auf der Promenade gibt es frisch gebrutzelte Kartoffelchips, allerlei Süßkram, frischen Fisch und People Watching vom allerfeinsten.

Ein bisschen Abgeschiedenheit und Ruhe suchen und finden wir im Viharamadevi Park, beim Blick auf das White House genannte Radhaus. Im nördlichen Teil ist zwar Volksfeststimmung und Kindebespaßung angesagt, dafür finden wir im Süden ein schattiges Plätzchen um die nächste Station zu organisieren.

Colombo muss man ohne Zweifel nicht gesehen haben. Es ist weder eines der Weltwunder, noch eine der Städte um die sich die Weltgeschichte rankt. Es hat kein Taj Mahal, kein Angkor Wat und auch kein Eifelturm. Nichtsdestotrotz findet sich in Colombo irgendwie die Atmosphäre von ganz Sri Lanka. Für mich ist es ein Mosaikstein, der in meinen Bild der Insel noch gefehlt hat.