Dieses Mal geben wir es uns so richtig in der Familienpackung. Eine Ruine kommt hier in der Gegend schließlich selten allein und so entschließen wir uns einfach die drei großen, kulturellen Sights zusammen abzufrühstücken: Das noch halb überwachsene Polonnaruwa, die Bergfestung Sigiriya und das, was noch vom goldenen Sri Lankischen Zeitalter übrig ist: Anuradhapura.

Um die Frage schon mal vorwegzunehmen: Ja, irgendwann sehen alte Steine einfach nur noch nach alten Steinen aus. Trotzdem hat jede der alten Stätten ihren eigenen Charakter.

Die Ochsentour hat sich gelohnt.

Von Kandy aus bringt uns ein kurzweiliger, halber Tag nach Polonnaruwa. Wie auch bisher sind wir die meiste Zeit die einzigen, offensichtlichen Ausländer im Bus und werden neugierig beäugt.

Erstaunlicherweise bleibt der Bus nach lokalen Maßstäben praktisch halb leer. Es müssen nur ganz wenige Menschen stehen.

Wildlife im Brachialgang: Hurulu Eco Park

Angekommen in Polonnaruwa wird schnell klar: Wahrscheinlich gibt es hier mehr Ruinen, als Stadt. Wir schaffen es zum Mittagessen das übliche Rice and Curry aufzutreiben. Dieses Mal in einer Art Wasserhäusschen, in dem wir uns aus ein paar aufgestellten Töpfen bedienen dürfen.

Zurück im Guesthouse starten wir auf eine spontan angebotene Safari. Wohin? Nicht so genau verstanden, Was gibt’s da? Keine Ahnung.

Das Ticket für die Ruinen lohnt sich schließlich für das, was noch vom Tag übrig ist, nicht so richtig. 25 USD für einen halben Tag wäre schon happig. Im Städtchen selbst scheint das Angebot an Aktivitäten auch nicht so überbordend. Also erst mal Alternativprogramm.

Im Jeep treffen wir eine Berliner Gruppe, die allesamt nicht auf die Schnauze gefallen sind, so dass wir uns die Stunde Fahrt auf dem Pickup mit allerlei Reise-Stories vertreiben können.

Die Safari selbst entpuppt sich eher als Reinfall. Unser Fahrer ist bestimmt super im Kopfrechnen, oder vielleicht kann er ganz wunderbar mit Fingerfarben malen, das ganze Dorf ist regelmäßig zu Tränen gerührt, bring er wieder einen schreienden Affen im Morgendunst zu Papier. Einen vollbesetzten Pickup-Truck durch’s Gelände manövrieren… eher nicht so.

Blöder aber noch finde ich, das wirklich viele Jeeps unterwegs sind, die Fahrer auch gerne mal im Brachialgang von den Wegen abweichen, mächtig Unterholz platt machen und dabei die Elefanten ziemlich einkreisen.

Dafür sehen wir allerdings Elefanten und zwar ziemlich nahe und in freier Wildbahn. Adler, Papageien und allerlei anderes, buntes Federvieh ist natürlich auch wieder am Start.

Leider schauert es immer mal wieder zwischen durch, so dass wir ständig damit beschäftigt sind die Plane über unseren Sitzen auf und wieder zu zu krempeln. Langeweile kommt so zumindest nicht auf.

Rein in die Kultur

Früh aufstehen, das merken wir einmal mehr, lohnt sich als Tourist in Sri Lanka. Wir sind mit die ersten, die sich ihr Ticket holen und haben die meisten Ruinen erstmal für uns. Viel los ist zwar später auch nicht, doch im abziehenden Morgendunst, ganz allein vor den Buddhas von Gal Vihara, ist ein besonderes Erlebnis.

Die drei Buddha-Figuren sind nicht nur sehr fein aus dem massiven Felsen heraus gearbeitet, sie wirken auch friedlich, irgendwie ewig und bekommen gerade durch die Maserung des Felsen einen besonderen Charakter.

Wie bei den anderen, großen Sights ist das Ticket für den Archological Park mit 25 USD nicht ganz billig. Auf der anderen Seite ist die Anlage top in Schuss, die Wege größtenteils gepflastert, sogar die Toiletten machen den Eindruck nicht ebenfalls durch archeologische Ausgrabungen ans Tageslicht gekommen zu sein.

Das kenne ich aus anderen Gegenden auch ganz anders. Bei meinem letzten Besuch in Angkor Wat, Kambodscha konnte man zwar auch mehr oder weniger ungehindert über die ungerührt in der Landschaft rum stehenden Tempel klettern, dafür war die ganze Gegend mit Plastikmüll zugerümpelt, während die meisten antiken Figuren entweder ohne Kopf da standen oder gänzlich fehlten.

Zugegeben, die jüngere Geschichte der beiden Länder unterscheidet sich etwas, vielleicht ist der Vergleich auch unfair. Gemessen am restlichen Preisniveau ist der Eintritt zwar hoch, will uns aber nicht unangemessen erscheinen.

Der Archeologische Park hat zwar auch ein paar Must-See Spots, faszinierender finde ich allerdings die kleinen Details. Bäume die aus einer alten Mauer wachsen, zwischen drin immer wieder grasende Kühe, Affenfamilien, Straßenhunde…

Eines muss man den Leuten hier auch wirklich lassen: Ist ein Ort einmal heilig, ja, verdammt dann bleibt er das auch. Die aktive Zeit von Polonnaruwa ging ja erst in den dreißiger Jahren des 13ten Jahrhundert zu Ende, so schnell verfliegt der Segen offensichtlich nicht. So finden wir immer wieder brennende Öllampen in den Schreinen und Betende an den Pagoden.

Fasznierend finde ich die vielen, kleinen Entdeckungen, die sich hier machen lassen. Das Gelände ist extrem weitläufig, unsere angemieteten Fahrräder haben offensichtlich auch schon bessere Jahrzehnte gesehen, wir haben also Zeit die Landschaft an uns vorüber ziehen zu lassen.

Irgendwann treffen wir dann auch die ersten anderen Touristen. Als überlaufen empfinden wir es aber nie. Kurz bevor wir uns im Angesicht des Nachmittäglichen Stoßregens ins Guesthouse zurück ziehen, finden wir noch das kurioseste Austellungsstück: Das antike Scheisshaus.

Wirklich viel scheint sich da an technischer Entwicklung nicht getan hat.

Der Berg ruft: Sigiriya

Sigiriya, das ist auch so ein Name in Sri Lanka. Im Grunde handelt es sich um eine Festung, die rund um und auf einem hohen, wirklich hohen Felsen gebaut ist. Der Eindruck verstärkt sich noch, da der Fels als Monolith in der Landschaft steht.

Zum ersten Mal gönnen wir uns den Luxus und lassen uns von Polonnaruwa über Sigiriya nach Anuradhapura in einem Auto chauffieren. In der Theorie sparen wir damit recht viel Zeit in Bussen ein und können Sigiriya, das ausser ein paar Ruinen und ziemlich viel Aussicht, nicht viel zu bieten hat auf dem Weg mitnehmen.

In der Praxis fährt unser Fahrer wie ein Henker und schafft es auf dem Weg nach Anuradhapura auch noch einen der allgegenwärtigen Straßenhunde zu überfahren. Nächstes Mal nehmen wir wieder die Bahn!

Sigiriya enstand als sich zwei Brüder über die Thronfolge, Konkubinen und politische Allianzen zerstritten, im fünften Jahrhundert unserer Zeitrechnung.

Der flüchtige Bruder lies daraufhin auf dem 200 Meter in die Höhe ragenden Monolith eine Festung errichten.

Als wir ankommen, zeigt sich die Gegend mit Nebel verhangen. Naja, gebe ich zum Besten, das ist nun die Feuchtigkeit, die aus dem Wald aufsteigt, bis wir oben sind, ist alles weg.

Wir machen uns also trotz Nebel frohen Mutes an den Aufstieg. Vielleicht ist es sogar ganz gut. Die Metalltreppen sind hier an den senkrecht aufragenden Felsen betoniert. Zwischen den Stufen kann man ungebremst in den Abgrund schauen.

Die allgegenwärtigen Affen scheint das zwar wenig zu beeindrucken, später soll es aber noch zu amüsanten Anblicken führen.

Etwa auf halber Strecke kommt man an den berühmten Wolkenmädchen vorbei. So richtig klar, wer und warum hier nackte Mädels an den Fels gemalt hat, ist wohl bis heute nicht. Fest steht aber: Schön anzusehen sind sie!

Fotografieren ist hier klar verboten, anscheinend bin ich aber aus Versehen auf den Auslöser gekommen.

Oben angekommen, erscheint mir meine Theorie von der kurzfristig aufsteigenden Waldfeuchtigkeit leider nicht mehr haltbar. Es ist so richtig schön nebelig. Wir wandern trotzdem mal eine Runde durch über das Plateau.

Heute sind zwar nur noch die Grundrisse der Gebäude vorhanden, beeindruckend finde ich die Anlage dennoch. Immerhin entstand das alles noch vor Kränen, Transporthelikoptern und Schnellzement. So richtig vorstellen wie viel Blut, Schweiss und Tränen hier geflossen sind, will ich mir eigentlich nicht.

Kurz bevor wir den Abstieg angehen - langsam füllt sich es sich auch - reißt der Nebel auf und wir bekommen zumindest noch etwas Aussicht. Es reicht allerdings auch, die kompletten 200 Höhenmeter bis zum unten liegenden Plateau zu überblicken.

Ganz amüsant finde ich die großen, asiatischen Reisegruppen, die scheinbar nur aus panisch höhenängstlichen Damen mittleren Alters bestehen. Mit einer Hand wird das Geländer umklammert, die andere krallt sich in die verschwitzen Schultern eines schmerzverzehrt blickenden Sri Lankaners, der versucht die vor Angst scheinbar stocksteife Lady irgendwie zum Gipfel zu bugsieren.

Seit meinen Zeiten als Kletterer weiss ich durchaus wie lähmend, furchbar und irrational Kacke sich Höhenangst anfühlt. Genau deswegen würde ich das wohl auch eher aus sitzen, als es mitten in einer Reisegruppe auszuleben.

Im Reiseführer wurde vor den Schleppern gewarnt, die versuchen beim Aufstieg zu helfen und dafür ein saftiges Trinkgeld erwarten. Mir scheint das eher eine im gegenseitigen Einverständnis erbrachte Dienstleistung zu sein. Ich zumindest könnte mir angenehmere Möglichkeiten vorstellen meinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Einen Snack später sitzen wir wieder im Auto und sind auf dem Weg.

Anuradhapura, erstaunlich charmant!

Die Stadt mit dem kaum auszusprechenden Namen ist so etwas wie die zehn Megatonnenbombe, das Sri Lankische Angkor Wat oder einfach Sauerkraut. Was ich damit sagen will: Es ist das eine Ding, an dem man eigentlich nicht vorbei kommt, besucht man Sri Lanka.

Also ausser, man schafft es sich tatsächlich wochenlang in irgendeinem Pauschalbunker einzumuggeln und gar nix zu machen, ausser sich die Sonne auf die Brezel scheinen zu lassen. Aber wer will das schon?

Im Guesthouse erwartet uns neben einer freundlichen Dame eine weiter freundliche Dame, dieses Mal aber in Hundeform. Der kleine Schatzi wiegt lockere 50kg, sieht aus, als könnte er zum Frühstück schon mal drei Strassenhunde verspeisen und setzt sich erstmal unschuldig hechelnd auf meinen Fuß.

Wir schließen trotzdem Freundschaft.

Bei der Ankunft wurde uns relativ schnell klar, das hier zumindest so etwas wie eine echte Stadt existiert, während es sich bei Polonnaruwa mehr um eine belebte Straßenkreuzung zu handeln schien.

Wieder sind wir am Mittag angekommen, wieder gilt es ein teures Billet zu lösen, wieder beschließen wir also erst mal die Sachen abzuklappern, die wir auch so mit nehmen können.

Nach einem Happen zu futtern, stilecht serviert auf Bananenblättern, hüpfen wir ins nächste Tuktuk und lassen uns zum Isurumuni Maha Raja Vihara chauffieren. Das Kloster gruppiert sich um zwei pittoresk in der Landschaft stehende Felsblöcke und ist eine ziemliche Oase der Ruhe.

Von den Felsblöcken aus kann man die schöne Aussicht über Reisfelder bis zur Stadt genießen. Besonders einsam ist es zwar nicht, aber der Ansturm hält sich deutlich in Grenzen.

Wir lassen uns erst mal im Schatten des wahrscheinlich sehr heiligen Bodhi-Baumes nieder und genießen den Parkähnlichen Klostergarten, während wir den Reiseführer befragen, was wir noch so unternehmen könnten. Irgendwo hier soll der sagenumwobene königliche Goldfischpark sein.

Die Mittagsonne donnert allerdings ordentlich vom Himmel. Die Füße sind schwer, vielleicht fallen mir auch kurz die Augen zu. Kurz gesagt: Die Motivation zeigt sich von ihrer kleinen Seite. Wir chillen meditieren einfach noch etwas.

Irgendwann beschließen wir uns auch noch den wirklich, allerheiligsten Bodhi-Baum der Welt anzuschauen.

Wiso sind die Bodhi Bäume denn eigentlich heilig? Ganz einfach: Unter einem Bodhi-Baum sitzend hat Buddha seine Erleuchtung gefunden. Deswegen hat so ziemlich jeder Buddhistische Tempel einen Bodhi Baum irgendwo stehen. Sogar in der Nähe vom Baikal haben wir schon so einen Baum gesehen.

Der spezielle Bodhi Baum in der Ancient City von Anuradhapura allerdings ist selbst unter den heiligen Bodhi Bäumen etwas besonderes, ist es doch ein Ableger des speziellen Bodhi Baumes unter dem Buddha einst gesessen haben soll. Nebenbei ist es wahrscheinlich auch der älteste, dokumentierte Baum der Welt.

Die Tempel und heiligen Orte hier in Sri Lanka waren - bis auf wenige Ausnahmen - immer eine echte Erholung vom quirligen, lauten und meist auch geruchsintensiven Leben auf der Straße. Der ultimativ heilige Bodhi Baum macht da keine Ausnahme.

Für uns ist hier immer erst mal langsam machen, Atmosphäre aufsaugen angesagt.

Während wir genau damit beschäftigt sind, kommt eine Prozession durch den Tempel gezogen. So richtig verstanden, worum es geht haben wir allerdings nicht. Genau genommen haben wir es nicht mal so ein bisschen verstanden. Egal. Wir leben im hier und jetzt. Verstehen ist da sekundär.

Auf dem Rückweg passiert uns dann noch eines dieser irgendwie ganz wunderbaren Erlebnisse. Als wir raus kommen, hat sich unser Tuktuk natürlich schon längst in Luft aufgelöst. Weit und breit kein anderer Tuktuk-Fahrer. Wir fragen also ein paar gelangweilt aussehende Polizisten, wie wir zurück zu Stadt kommen. Die zeigen uns so vage irgendeine Richtung, wir machen uns auf den Weg.

Nach dem wir so um die 500m zurück gelegt haben, hält ein Three-Wheeler neben uns. Von der hinteren Sitzbank beäugen uns Mutter und Kind, Vattern sitzt offensichlich vorne. Wohin wir wollen? Irgendwie in die Stadt. Wir werden kurzerhand eingesackt, Bezahlung wird rigoros abgelehnt.

Wieder in der Stadt angekommen, sind wir immer noch völlig verdutzt. Das war nun wirklich nett. Ich kann mich nicht erinnern mal gestrandete Touristen irgendwo aufgesammelt zu haben. Sollte ich vielleicht nun mal, karmisches Gleichgewicht und so.

Für den nächsten Tag gönnen wir uns den Luxus die Ruinen mit dem Tuktuk zu besichtigen, anstatt wieder mal Rad zu fahren oder gar zu laufen. Goldrichtige Entscheidung: Es ist heiss, schwül und die Wege sind weit.

Die Reste der heiligen Stadt sind allerdings nicht nur ob ihrer weitläufigkeit beeindruckend. Immer mal wieder finden sich erstaunlich gut erhaltene Artefakte, die hier scheinbar mitten auf der Wiese liegen.

Eines dieser Artefakte ist zum Beispiel die “Schüssel” vom Reisbuffet, aus der sich mal 500 Mönche bedient haben. Unser Fahrer ist selbst ganz aus dem Häuschen vor lauter Begeisterung ob dem Gedanken ans historische Rice and Curry.

Neben den eigentlichen Ruinen klappern wir natürlich auch noch einen Haufen Stupas ab, stellen aber im Laufe der Zeit fest: Die Sättigung ist erreicht. Vielleicht haben wir auch nur die Aufnahmegrenze dessen erreicht, was zu verarbeiten ist, wenn man eigentlich nicht viel Konzept von dem gesehenen hat.

Für uns ist eine Stupa ist eine Stupa ist eine Stupa. Klar, man sieht Unterschiede, was diese Allerdings konkret bedeuten, wie die sich einordnen? Irgendwann fehlt dann doch der Kontext.

Ein guter Grund mal den kulturellen Kontext zu ändern. Wir fahren weiter nach Jaffna, der Stadt die kulturell wahrscheinlich eher in Indien als in Sri Lanka zu verorten ist. Im Zug habe ich auch Gelegenheit mal mit den Reiseberichten weiter zu kommen.