Ella, Sri Lanka

Ella ist so eine Stadt, bei der die Bewertungen offensichtlich auseinander gehen. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum ich wohl niemals Reiseführerautor werde: Kein Tunnelblick für die schönen Aspekte. Kognitiv bin ich wohl eher im Weitwinkel unterwegs.

Amüsiert haben wir uns trotzdem.

Ella ist wirklich keine besonders schöne Stadt. Ohne Tourismus - den Anfang machten hier wohl die Hitze, Dengue und Malariageplagten Engländer - wäre Ella wohl nicht viel mehr als eine Bushaltestelle an einer Kreuzung.

Ella, Sri Lanka

Vielleicht weichen meine Urlaubsbedürfnisse auch einfach etwas von denen eines Britischen Kolonialbeamten des ausgehenden 19ten Jahrhunderts ab, aber so wirklich viel mehr ist Ella auch heute nicht. Mittelpunkt der Stadt scheint eine recht geschäftige T-Kreuzung zu bilden, um die sich die Stadt, entlang den Ausfallstraßen, aufbaut.

Kulinarisch wird auf den ersten Blick mehr oder weniger solide Travellerküche geboten. Während wir es bis dato fast immer geschafft haben leckeres Sri Lankanisches Curry and Rice zu bekommen, ist hier hauptsächlich Pizza, Sandwich oder Burger zu Preisen angesagt, bei denen ich direkt Heimatgefühle bekomme. Zumindest Roti finden wir ebenfalls.

Der Loose befindet Ella als guten Ort zum Chillen, ich empfinde es eher als guten Ort zum schnell durchfahren, aber die Geschmäcker gehen da wohl auseinander, und jetzt sind wir eben da.

Kochkurs im Spice Garden

Das Wetter zeigt sich von seiner regnerischen Seite. Als bekennend fußfauler Mensch votiere ich also dafür den Abstand Dach <-> Ich möglichst klein zu halten. Gut, dass es im Ella Spice Garden einen Kochkurs gibt, den sowohl der allwissende Loose, als auch die Schwarmintelligenz von Trip-Advisor empfehlen.

Chandika, Cooking Teacher

Nach einem schnellen Zwischenmahlzeitseinschub finden wir uns also vor Ort ein und sind erst mal überrascht, vom guten konzeptionellen Aufbau. Wir erfahren, wie man Currypulver selbst herstellt, wann man geröstetes und wann nicht geröstetes benutzt, welche Kräuter und Gewürze in der Sri Lankanischen Küche unbedingt gebraucht werden und das wir unbedingt einen Reiskocher brauchen.

Dhal in the making.

Mein persönliches Highlight ist - ganz ohne Frage - ein Knoblauchcurry. Wesentlicher Bestandteil der ganzen Nummer ist - wer hätte es gedacht - Knoblauch und zwar geschmeidige 20 Zehen pro Person. Was sich erst mal anhört wie die Anleitung für eine Massenvernichtungswaffe, entpuppt sich auf den ersten Bissen als unerwartet mild.

Nebenher lernen wir unter anderem noch Rezepte für solche Essentials, wie Dhal, Kartoffelcurry und Kokos-Sambol.

Grinding the nut

Zum Schluss dürfen wir die ganzen Curries natürlich auch gemeinschaftlich verputzen, wobei Lehrer Chandika es allerdings vorzieht sich ohne uns etwas real spicy zuzubereiten. Okay, fair enough.

Little Adam’s Peak

Am nächsten Morgen haben wir uns einen kleinen Ausflug vorgenommen. Wir wollen zum Little Adam’s Peak laufen. Laut Reiseführer eine einfache, aber schöne Wanderung durch Teeplantagen, zu einem Punkt mit Aussicht.

Einfach, schön, Aussicht, die Schlagwörter gefallen mir schon mal ganz gut. Da es ab Mittags diesig werden soll, beschließen wir wieder mal früh aufzustehen. Bei dem Vorhaben unterstützt uns noch, dass die Crew vom Guesthouse verpeilt uns ein Local Breakfast klar zu machen und wir auch keine Riesenfans von Spiegelei und Labbertoast sind. Direkt schon mal Zeit gespart.

Kurzfristig ist meine Laune daher mal ganz besonders rosig und die ersten paar Minuten vertreibe ich mir mit lustigen Gedankenspielen, welchen Baum ich ausreißen und den Berg runter werfen könnte. Sei’s drum: Gute Reisen sind immer eine emotionale Achterbahnfahrt.

Als Ausgleich sacken wir unterwegs ein paar der allgegenwärtigen Rotis, Dampfbrötchen oder irgendwas anderes ein.

Zentraler Bestandteil eines jeglichen, deftigen Gebäckes ist immer eine Masse aus Kartoffeln, Chillies und einer Soße ungeklärter Provenienz, deren Funktion es ist, die sofortige Desintegration des Geschmackssinn des Konsumenten zu verlangsamen. Zurück bleibt immer ein Gefühl des Tanzes auf Messer Schneide über einem See glühender Lava, nur das die eigene Zunge tanzt, während der See zwischen den Backenzähnen wogt.

Mit anderen Worten: Es ist scharf, lecker und meistens auch erstaunlich günstig.

Tea Plantation (Ella, Sri Lanka)

Der Weg windet sich denn auch wirklich recht malerisch durch eine Teeplantage, während man immer wieder an Punkten mit wunderbarer Aussicht vorbei kommt. Die Felsen des Hochlands ragen rund um uns in schön dramatischer Weise auf, umschlängelt von der Durchgangsstraße, die hier mal nicht durch Lärm, sondern durch ihre hübsche Linie auffällt.

Selfie (Little Adam's Peak, Sri Lanka)

Oben angekommen genießen wir das Panaroma, schiessen das obligatorische Selfie, lassen uns die Sonne noch etwas auf den Kopf scheinen und machen uns wieder auf den Abstieg. Das Wetter hat sich mittlerweile ziemlich zugezogen, die ersten Tropfen fallen auch schon als wir den Abstieg beginnen.

View (Little Adam's Peak, Sri Lanka)

Zumindest das frühe Aufstehen hat sich bezahlt gemacht. Während wir uns an den Abstieg machen, verschwindet die Aussicht komplett hinter dem aufziehenden Dunst. Keine guten Zeichen für die Horden, die uns jetzt entgegen kommen. Vielleicht kichern wir sogar ein bisschen hämisch.

Abfahrt

So wirklich warm geworden bin ich mit dieser ganzen Hochland-Nummer bis dato nicht, irgendwie sieht das für mich auch alles aus wie der Schwarzwald. Also schön, aber eben nicht exotisch. Vielleicht sind wir auch einfach schon zu Reiseverwöhnt.

Moving on (Between Ella and Kandy, Sri Lanka)

Nächste Station wird für uns die alte Königsstadt Kandy.