Der Winter ist vorbei, die sonnigen Tage stehen uns bevor, was liegt da näher als sich endlich wieder auf das Rad zu schwingen und das Auto stehen zu lassen?

Super Idee! Ausser Robbenbabies retten, den globalen Walfang stoppen oder BER fertig stellen, gibt es wohl kaum etwas, das die Karmakasse derart genüßlich klingeln lässt. Spaß macht es ohnehin.

Es gibt nur ein paar ganz wenige Dinge zu beachten, schon kann der vergnügliche Radfahrspaß beginnen. Hier gibt es meine ganz persönlichen Erfahrungen nach mehreren Jahren Pendeln durch Frankfurt, ein paar kurze Rad-Trips und diverse andere Alltagskilometer.

Sei ein Samurai, kein Ninja.

Weisst du warum Ninjas so gut springen und klettern können?

Weil sie sonst niemals lebendig größere Straßen überqueren könnten.

Die einfachste Methode wahr genommen zu werden, ist sich wahrnehmbar zu machen. Abends im Halbdunkel unbeleuchtet in schwarzer Kleidung durch die Gegend zu huschen ist etwas für Ninjas in geheimer Mission. Sei ein Samurai, sichtbar, aufrecht und abends in der warmen Wanne, statt in der Notaufname mit Rollsplitt im Knie.

Flakscheinwerfer sind kein Spielzeug.

Wahrscheinlich sind massiven Offroad-LED-Lichtbomber im Dauerangebot bei so ziemlich jedem Discounter, der einfach irgendwas, ganz egal was, für Radfahrer anbietet. Ja, die Dinger sind hell. Im Notfall könnte man sich damit wahrscheinlich auch in der hinteren Wallachhei ein Eichhörnchen durch beständiges Anstrahlen rösten. Praktisch, falls mal die Energieriegel zur Neige gehen. Das macht die Leuchtgranaten aber noch nicht zu einer guten Beleuchtungsidee für den Stadtradler.

Grundsätzlich unterscheidet die Stadt vom Wald, dass in der Stadt die Dichte an Gegenverkehr tendenziell höher ist. Anders als im Wald, sind das auch eher Menschen, die gerne ohne Kopfschmerzen und lustig durchs Blickfeld wabernde bunte Flecken nach Hause kommen wollen und keine Eichhörnchen.

Investiere in vernünftige Beleuchtung, die den Gegenverkehr nicht unnötig blendet. Alles andere ist einfach nur grundlose Arschlochität.

Nicht alles was glänzt ist auch Gold

Genauso wenig ist alles was irgendwie andersfarbig gepflastert ist, auch ein Radweg und nicht alles, was ein Radweg ist, muss auch benutzt werden. Die Grundregel ist, überall wo ein Blauer Lolly (auch genannt Zeichen 237, Zeichen 240 oder Zeichen 241) zu sehen ist, ist der Radweg benutzungspflichtig. Das wurde rechtlich schon in den grauen Vorzeiten des Internets mal zutreffend zusammen gefasst.

Den Radweg nicht zu benutzen ist eine Ordnungswidrigkeit.

Meine Recherechen haben ergeben, dass in Frankfurt diese Ordnungswidrigkeit zum letzten Mal 1764 durch den Stadtbüttel Kelle-Schorsch geahndet wurde. Er sprach ein scharfes Hoschemal, des wolle mir hier net aus und ließ den Übeltäter nach einer schmerzhaften 720°-Drehung des rechten Ohrlappens seiner Wege ziehen. Ob es zu einer Tatwiederholung kam, ist nicht überliefert.

Persönlich bin ich der Ansicht, dass Radwege benutzt werden sollen, wenn dies ohne unnötige Eigengefährdung oder blödsinnige Einschränkungen geschehen kann. Muss ich ständig um geparkte Autos kurven, kann keinen Sicherheitsabstand zu Häusern, Autotüren, Fußgängern, Halluzinationen oder anderen Hindernissen einhalten, oder mir fallen ob der Bismark-Gedenk-Pflastersteine die Plomben aus den Zähnen, dann nehme ich die Fahrbahn und riskiere die Auseinandersetzung mit dem Stadtbüttel.

Nimm, was dir zusteht.

Ich höre öfter mal Radfahrer würden den Verkehr behindern. Das ist natürlich Quatsch. Gemeint ist damit Radfahrer behindern den Autoverkehr.

Damit ist das Argument einfach nur der Versuch, sich der Defintion eines Begriffes zu bemächtigen und im zweiten Schritt eine Gruppe - nämlich diejenigen mit dem Motor - zu privilegieren. Als Radfahrer ist man aber genau so ein Teil des Verkehrs, wie als Autofahrer, Vespa-Typ, Pferdekutschenfahrer, Bauer mit Traktor oder Fußgänger. Sich ängstlich an den rechten Randstein zu drängen ist da nur Kontraproduktiv und bringt in etwa genau so viel wie im Tigerkäfig aufgeregt und laut schreiend umher zu rennen.

Statt dessen gilt es sich selbstbewusst zu verhalten und auch den für die eigene Sicherheit nötigen Platz zu beanspruchen. Wer sowieso schon in der rechten Rinne durch Glass-Scherben und Zigarettenkippen eiert, kann auch nicht mehr nach rechts ausweichen, wenn er zu knapp überholt wird.

Die Wege der Stadtplanung sind unergründlich.

Verkehrsplanung ist für den Radfahrer in etwa das Gleiche wie die Naturgewalten für den Urmenschen.

Der Urmensch hat sich das Feuer untertan gemacht und Goretex-Kleidung erfunden. Der Radfahrer muss sich anders durchwurschteln. Ein bisschen Kreativität in der Interpretation von Lichtzeichen, Beschilderung und Spuren halte ich für moralisch völlig angemessen. Häufig sind auch gerade in Rotphasen die Zeitfenster in denen man komplett unbehelligt und gefahrlos über eine Kreuzung segeln kann.

Denn eines ist sicher: Niemand der jemals eine Straße geplant hat, ist einem Fahrrad je näher als bis zur Wikipedia-Seite gekommen.

Vielleicht tue ich den Stadtplanern da auch unrecht. Vielleicht sind sie begeisterte Stadtverbesserer, die leider regelmäßig genau so dem bürokratischen Monster ihre mühsam ausgehirnten Vorschläge zum Fraß vorwerfen, wie ein mittelalterliches Dorf jedes Jahr eine Jungfrau zum Drachen in den Wald schicken musste.

Das bürokratische Monster macht aus den Vorschlägen dann das Gleiche, wie der menschliche Verdauungstrakt aus einem leckeren Apfel.

So oder so, die Ergenisse möchte man lieber nicht vorgesetzt bekommen.

“Just because you’re paranoid doesn’t mean they aren’t after you.”

Manchmal fühlt sich Rad fahren in der Stadt so an, als wären alle hinter einem her. Das ist nur natürlich. Schließlich sind alle hinter einem her.

Verhaltet euch dementsprechend: Passt auf euch auf, unterstützt euch gegenseitig und habt euch um Gottes Willen lieb.

Viel Spaß. :)

Wie seht ihr das?

Habe ich Blödsinn erzählt? Irgendwas vergessen? Habt ihr ganz andere Erfahrungen gemacht? Lasst mir einfach einen Kommentar da.