“Warum?”, ist so eine Frage, die man durchaus hört, rockt man irgendwo mit dem Eingangrad an. Besonders gestandene Radfahrer wundern sich oft, was dieser Quatsch nun wieder soll.

Wiso tut sich im Zeitalter von Rohloff, X mal 11, Alfine und Co. jemand ein Fahrrad an, das man nicht schalten kann? Also so gar nicht. Ein Gang für alles. Bergauf, bergab, mit Rückenwind nicht mal mittags um zwölf nach einem reichlichen Mittagessen und drei Hefeweizen.

Steckt man da nicht immer in der falschen Übersetzung fest? Tritt man nicht dauernd ins leere? Würgt man sich am Berg nicht völlig einen ab?

On the Way!

Klar: Nüchtern betrachtet ist der Vorteil nicht zu erkennen. Es ist ja nicht so, als ob moderne Schaltungen dauernd hakeln, die Kette abwerfen oder plötzlich explodieren würden. Eigentlich geht das alles ganz unaufgeregt, ohne Murkserei und ziemlich flott über die Bühne. Knick, knack, Gang rein, weiter geht’s.

Die Antwort ist die gleiche, wie auf die Frage warum sich Leute Wäscheklammern an die Brustwarzen setzen oder ihren 60PS Kleinwagen mit Breitreifen ausstatten: “Weil’s Spaß macht!”

Singlespeed Cyclocross World Championships 2013 - Philadelphia

Aber warum? Warum genau?

Und da wird’s irgendwie kniffelig und subjektiv. Also versuche ich es mal so ganz auf die persönliche.

Das, was mich noch am besten zum schnellen Radfahrer qualifiziert, ist die aerodynamische Form meines Bauches. Vielleicht genau deswegen ist Radfahren für mich irgendwie eine urwüchsige Tätigkeit.

Dabei wird gerne mal geflucht, manchmal ungeniert auf die Straße gespuckt, rotem Ampeln sind nur ein Ansporn und das alles passiert im Schweisse meines Angesichts. Den himmlischen Zustand der völligen Gedankenlosigkeit, irdisches Nirvana, frei von allen Begierden, Ängsten und Sorgen, erreiche ich normalerweise erst, sobald ich klatschnass verschwitzt bin, diverse kleinere Haustiere überfahren und der persönlichen Highscore an gedachten Flensburg-Punkten zumindest mal nahe gekommen bin.

Okay, so wirklich der Rüpelrockerramboradler bin ich auch nicht. Aber ich muss mich ab und an mal etwas austoben.

Was hat das denn nun mit dem Singlespeed zu tun? Fass dich mal kurz! Alter!

Na gut, Ende mit Laberrhabarber.

Das Singlespeed ist so ziemlich das einfachste Fahrrad, das man sich denken kann und das funktioniert allein schon ästhetisch einfach mal verdammt gut. Es gibt kein Rad, das so sexy, simpel und cool aussieht, wie ein schön gemachtes Singlespeed.

Nur weil’s geil aus sieht, heisst es natürlich nicht, dass es auch geil fährt.

Genau das tut es aber! Klar, man ist immer in der falschen Frequenz unterwegs. Würgt sich am Berg einen ab, manchmal springen die Kniescheiben raus und durchschlagen Autofenster. Bergab hast du irgendwann gar keine Chance mehr, da ist einfach laufen lassen angesagt. Und nachts kann man nicht schlafen, weil man sich nicht für die einzig gültige, wahre und schöne Übersetzung entscheiden kann.

Permanent kämpft man mit sich, der Straße, dem Rad und dem inneren Schweinehund um den Flow zu erhalten, mal tritt man rein wie ein Ochse, mal lässt man es einfach nur rollen, bloß nicht den Schwung verlieren. Jedes Prozent Steigung fängt sofort an in den Oberschenkeln zu vibrieren, Heavy Metal zum treten, Drum’n’Bass in den Pedalen, der Mensch ein lebender Dampfhammer.

Es ist wie ein Ganzkörperbad in glühend heisser Vanillesoße: Wunderschön und doch schrecklich. Selbst der langweilige Arbeitsweg, die Fahrt zum Supermarkt oder die gemütliche Tagestour am Flußradweg entlang können plötzlich ganz neue Reize entwickeln. Wenn das nicht reicht: Ein Singlespeed kann zumindest mal alles, was ein normales Rad auch kann. Man muss es nur machen.

Ach ja, ein Singlespeed ist kein Fixie. Die sind nun wirklich was, für die harten Jungs.