Winterzeit ist ja auch immer wieder irgendwie Garagen und Schrauberzeit. Für mich war es Zeit wieder ein Singlespeed aufzubauen. Eigentlich habe ich ja schon eines, genau genommen ein On One Il Pompino in weiss, abgerockt und spassig. Bekommen habe ich es für einen guten Preis von einem privaten Verkäufer.

Singlespeed to work day.

Dummerweise ist mir der Rahmen etwas zu klein. Auf Dauer kann ich einfach nicht bequem darauf fahren. Was ich besonders schade finde, da ich gerne lange fahre. Also musste etwas neues her…

Ein Singlespeed ist ein Fahrrad für Menschen, die sowieso schon mobil sind. Zumindest aus der heutigen Perspektive. Immerhin bringen schon die Räder vom Discounter einen Haufen Gänge mit. Das ist so etwas wie der Megapixel-Effekt: Jeder braucht unbedingt ganz viele davon, ohne so richtig zu wissen, was die Dinger eigentlich genau machen. Muss aber gut sein. Und man bekommt 980tausend beim Mediamarkt.

Das von den ganzen Gängen sowieso nur drei, vier gefahren werden und die Kiste sich bald von selbst in die minderwertigen Einzelteile zerlegt, lassen wir mal ganz ausser acht. Auch das so ein Singlespeed eigentlich die Urqualitäten des Fahrrads in sich vereint: Günstig, schnell und effektiv. Das Pferd des armen Mannes und historisch vielleicht die erste erschwingliche Mobilität für Jedermann.

Mr R.J. Tate

Für mich steht fest, das Singlespeed ist ein prima Alltagsrad, vor allem weil es viel Spaß macht und ich gerne Spaß im Alltag habe. Wozu sonst überhaupt Alltag?

Zugegebenermaßen wohne ich auch nicht gerade in den Alpen, die höchste Erhebung die dieses Rad in näherer Zukunft sehen wird, ist der Sachsenhäusener Berg, ca. 100 Meter über Normal-Ich.

Wie dem auch sei: Der Wunsch nach einem Rad war dringlich, die Dringlichkeit aber klein. Ich hielt also die Augen auf, sah mir viele Bilder an und stiess - mehr oder weniger zufällig - auf den Nachfolger meines zu kleinen Rahmens. Oh Wunder! Fast der gleiche Rahmen, nur größer!

Zuerst fiel mir eigentlich auch die Farbe auf: Gar keine. Das Ding sieht einfach nach Naturstahl aus. Nur an den Lötstellen lässt sich ein bisschen Farbe blicken. Ich war verliebt.

A touch of gold

Den Rahmen kaufte ich kurzerhand um ihn dann erst mal auf Eis zu legen. Viel Wunsch, wenig Geld. Irgendwann erspähte ich dann mal eine schicken Chris King Steuersatz fast ohne Labels und in Silber. Zum Einpressen fehlt mir natürlich das Werkzeug also musste Kollege Alex her halten und ich in der S-Bahn nette Gespräche mit interessierten Mitbürgern führen.

Hand luggage

Dann ging irgendwann alles ganz schnell und das ganze restliche Gelump fand seinen Weg ins heimatliche Wohnzimmer in die heimatliche Werkstatt. Um jetzt nicht in den völligen Materialfetischismus zu verfallen, will mich auf ein paar wenige, aber schöne Highlights beschränken.

Building Up the Singlespeed

Die Pedale

Auch wenn ich begeisterter Klickifahrer bin, hier wollte ich mich nicht daran binden mit bestimmten Schuhen auflaufen zu müssen. Schließlich will ich jederzeit auf’s Velo springen und los düsen. Vorher noch Schuhe wechseln ist da eher nicht so angesagt. Es gibt zwar auch kombinierte Pedale, meiner Erfahrung nach sind die nass aber glitschig wie schlechte Metaphern.

Ergo mussten ein paar fette MTB-Plattformpedale her. Die meisten von den Dingern sehen aus dummerweise wie für die Klumpfüssige Fahrraddivision der Streitkräfte von Modor gebaut. Also irgendwie klobig. Nun hat man mich schon des öfteren als Ork bezeichnet, aber viele von den Teilen waren mir doch etwas too much.

Grip galore

Gefunden habe ich schließlich die NC-17 Sudpin. Die sind schön flach, schön silbern und sehen für ihre Größe schön dezent aus. Auf den ersten Fahrten war ich auch überrascht wie verdammt gut diese Pins sich im Schuh festbeissen. So überrascht, das ich mich schon gefragt habe, ob ich überhaupt Klickpedale am Reisedampfer brauche…

Der Lenker

Ich habe ja sowieso eine Schwäche für exotische Lenkerformen, besonders die Rennlenker für’s Gelände haben es mir angetan. Auf dem letzten Singlespeed war der On One Midge montiert, mit dem ich auch bestens zurecht kam. Leider hatte er komplett die falsche Farbe. Hier war silber angesagt und nicht schwarz.

Soma Bar

Gelandet bin ich schließlich beim Soma Portola umklammert von einem Nitto Vorbau. Etwas exotische Kombination, aber der Portola ist quasi der einzige silberne Lenker auf dem Markt, der ungefähr die Geometrie hat, die ich mir vorstelle. Dummerweise ist der Durchmesser 26mm, also wieder unüblich, benötigt demnach direkt einen japanischen Edelvorbau, geschmiedet in mondloser Vollmondnacht und gehärtet im Blut schwarzer Einhörner. Oder so.

Er fährt sich allerdings grandios. Die Hände sind in der Bremsgriffposition und in der Unterlenkerhaltung nach innen gewinkelt, was echt bequem ist. Der Drop ist eher gering, so dass ich trotz einer Figur, die nach allem, nur nicht nach Radsportler aussieht, bequem auf dem Unterlenker fahren kann.

Kleinkram

Gut gefällt mir ebenfalls der Radsatz von Planet X, mit dem ich aber erst noch ein paar KM zurück legen will, bevor ich dazu irgendwas sage. Der Sattel ist - wie quasi immer - von Brooks. Ich bin eigentlich kein großer Fan von Lederzeuch und industrieller Tierverwurstung, aber die Sättel sind echt eine Klasse für sich. Zumindest habe ich noch nichts gefunden was meinem Hintern besser gefällt.

Großes Kino ist natürlich auch die Crane Suzu Bell, netter Oldschool-Look, laut, hell und klar. Feines Teil!

Problemchen

Was mir nicht besonders passt, sind die Bremsen. Ich habe ein paar Tektro RX5 verbaut. Nicht bedacht hatte ich allerdings, das die langen Bremsarme ziemlich ungünstig kommen können, wenn Rahmen und Radsatz eher schmal ausfallen. Die Arme stehen leider ziemlich eng zusammen. Aktuell stoßen sie voll durchgezogen noch nicht zusammen, sobald die Beläge aber dünner werden, dürfte das aber nur eine Frage der Zeit sein.

Problem in the making

Da werde ich wohl auf eine kürzere Mini-V umsteigen. Damit warte ich aber noch, bis die Schutzbleche (ja, Alltagsrad eben) montiert sind.

Ausserdem kommt mir die Übersetzung (44/17) etwas zu kurz vor. Mit der abschließenden Beurteilung warte ich aber ebenfalls noch ein paar Kilometerchen.

Fazit

Ich bin echt zufrieden. Ein paar kleinere Baustellen gibt es natürlich noch, aber der Rahmen passt mir, die Räder rollen gut, die ganze Kiste ist gefühlt (noch nicht gewogen) recht leicht geworden und sieht bombe aus.

On the Way!

Als Fahrradnerd kann ich nur empfehlen sich mal ins kalte Wasser zu stürzen und sich das nächste Radl selbst aufzubauen. Es ist immer wieder ein Erfahrung. Das allerdings wäre Stoff für einen anderen Artikel!